Keine Aussicht auf Freilassung
Für Andrew und Tristan Tate, die umstrittenen Internet-Berühmtheiten, war es eine weitere schwere Niederlage in ihrem laufenden Rechtsstreit. Das Gericht wies ihren Antrag auf Freilassung gegen Kaution am Mittwoch endgültig zurück. Die beiden Brüder verbleiben damit hinter den Gittern eines Miamier Gefängnisses – eine baldige Rückkehr in die Freiheit ist nicht in Sicht.
Die zuständige Richterin in diesem öffentlich vielbeachteten Verfahren begründete ihre Entscheidung klar: Beide Männer stellen ein außerordentlich hohes Fluchtrisiko dar. Ausschlaggebend dafür ist das beträchtliche Vermögen, das sie durch ihren dominierenden Einfluss in der sogenannten Manosphäre angehäuft haben. Von ihren Zellen aus werden sie weiterhin gegen eine Auslieferung an das Vereinigte Königreich kämpfen, wo ihnen schwerwiegende Vorwürfe wegen Vergewaltigung und Menschenhandel drohen.
Versteckte Ressourcen und Fluchtgefahr im Fokus
In der Anhörung ließ Richterin Lauren Louis den Tate-Brüdern keinerlei Spielraum. Sie bezeichnete sie direkt als „Paradebeispiele für Personen mit einem extrem hohen Fluchtrisiko“. Ihre Haltung war von Beginn an kompromisslos.
In ihrer offiziellen Begründung hob sie einen besonders wichtigen Punkt hervor: Selbst wenn die beiden in Wirklichkeit nicht über ein derart märchenhaftes Vermögen verfügten, wie es online zur Schau gestellt wird, belegen die vorliegenden Prozessunterlagen eindeutig, dass sie über außergewöhnliche Mittel verfügen, um die Zuständigkeit des Gerichts schnell zu verlassen.
Das Verteidigungsteam der Tates wehrte sich energisch gegen dieses Urteil. Die Anwälte versuchten zu argumentieren, dass die enorme öffentliche Bekanntheit ihrer Mandanten eine heimliche Flucht aus dem Land faktisch unmöglich mache.
Bundesbeamte hatten Andrew und Tristan am 18. Juli in Miami festgenommen. Beide Männer besitzen die amerikanische und britische Staatsbürgerschaft und haben von Anfang an jegliche kriminelle Handlung kategorisch bestritten.
Theatralische Inszenierung oder echte Gefahr?
Die amerikanischen Staatsanwälte warnten nachdrücklich vor einer Freilassung auf Kaution. Ihrer Einschätzung nach würde die Freiheit der Brüder eine konkrete Bedrohung für die öffentliche Sicherheit darstellen. In der Anhörung verwiesen sie ausführlich auf die britischen Anklagepunkte – darunter schwere körperliche Übergriffe und Vergewaltigungen – sowie auf fragwürdige Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit ihrem Webcam-Business und dem Online-Projekt Hustler’s University.
Um die Sachlage noch deutlicher zu machen, spielten die Staatsanwälte im Gerichtssaal ein erschütterndes Video ab. In der Aufnahme ist Andrew Tate mit erschreckenden Worten zu hören: „schlagen, schlagen, greifen, würgen, halt die Klappe du Schlampe, Sex“.
Wie rechtfertigten sich die Angeklagten? Die Brüder behaupteten überraschenderweise, ihre kontroverse öffentliche Persona im Internet sei reine Fiktion – sie würden lediglich Rollen spielen. Alle viralen Videos, in denen extremer Reichtum zur Schau gestellt wird, seien eine bewusst übertriebene Bühnenshow, die ausschließlich für soziale Medien konzipiert worden sei.
Andrew Tate selbst erklärte vor Gericht, sein berühmtes Alter Ego „Top G“ sei nichts weiter als eine Karikatur. Diese überspitzte Darstellung diene einzig und allein dazu, heutige Männer aus einer tiefen existenziellen Gleichgültigkeit aufzurütteln.
Auch in Europa zieht sich die juristische Schlinge enger
Das juristische Alptraumszenario der beiden Brüder beschränkt sich keineswegs auf die USA und das Vereinigte Königreich. Jüngst haben auch die Behörden in Rumänien schwerwiegende Anklagen gegen sie erhoben. Rumänische Ermittler machen sie für Geldwäsche und organisierten Menschenhandel mit Minderjährigen verantwortlich. Ihr rumänischer Anwalt hält jedoch an der gewohnten Linie fest: Beide Brüder weisen sämtliche Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück.
