Die Frau, die den erschreckenden Sturz eines Aufzugs über 75 Stockwerke überlebte

Ein Tag, der alles verändern sollte

Die Feuerwehrleute tasteten sich vorsichtig durch verrauchte Flure und zerstörte Büros des Empire State Buildings, das kurz zuvor von einem Flugzeug getroffen worden war. Den Rettungskräften war noch nicht bewusst, dass viele Stockwerke unterhalb der Einschlagstelle eine junge Fahrstuhlführerin in den Trümmern der zertrümmerten Kabine gefangen lag.

Betty Lou Oliver war zwanzig Jahre alt und arbeitete am 28. Juli 1945 als Fahrstuhlführerin im berühmten New Yorker Wolkenkratzer. Durch eine merkwürdige Fügung des Schicksals sollte es ausgerechnet ihr allerletzter Arbeitstag sein. Sie freute sich darauf, endlich wieder dauerhaft mit ihrem Mann zusammen zu sein, der nach Kriegsende aus dem Militärdienst zurückkehrte.

Der Einschlag des Bombers

Kurz vor zehn Uhr morgens hüllte dichter Nebel Manhattan ein. Genau in diesem Moment überflog ein militärischer B-25-Mitchell-Bomber das Gebiet auf dem Weg zum Flughafen Newark. Obwohl die Flugsicherung den Piloten wiederholt auf die extrem eingeschränkten Sichtverhältnisse hingewiesen hatte, war die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten.

Im dichten Wolkenmeer die Orientierung verlierend, prallte das Flugzeug mit voller Geschwindigkeit gegen die Nordseite des Empire State Buildings — genau auf Höhe des 79. Stockwerks. Brennender Treibstoff ergoss sich sofort in die Büroräume, während glühende Trümmer des Gebäudes und des Bombers auf die Straßen darunter regneten.

Die Rettungskräfte lieferten eine bemerkenswerte Leistung. Den Feuerwehrmännern gelang es, die Hauptbrandherde in nur neunzehn Minuten zu bekämpfen und die Flammen in etwa drei Viertelstunden vollständig zu löschen. Historische Aufzeichnungen belegen, dass es sich um den bis dahin höchstgelegenen Stadtbrand handelte, den die New Yorker Feuerwehr je bewältigen musste.

Die Katastrophe forderte vierzehn Menschenleben: Drei Besatzungsmitglieder kamen beim Aufprall ums Leben, elf weitere zivile Opfer starben im Gebäude oder auf den umliegenden Gehwegen.

Eine Überlebende unter den Trümmern

Die junge Fahrstuhlführerin erlitt schwere Verbrennungen und zahlreiche ernsthafte weitere Verletzungen in der Nähe der Explosion. Der überlieferten Version der Geschichte zufolge trugen die Retter die schwer verletzte Frau in eine andere Kabine, ohne zu merken, dass der Aufprall die tragenden Seile dieser Kabine verhängnisvoll beschädigt hatte. Spätere Aussagen der Protagonistin selbst zeichneten jedoch ein etwas anderes Bild. Betty erklärte Jahrzehnte danach, sie habe sich die ganze Zeit in ihrem ursprünglichen Aufzug befunden, der aufgrund der Schäden plötzlich zu fallen begann.

Freier Fall in den dunklen Schacht

Unabhängig davon, wie genau sich die Ereignisse unmittelbar vor dem Sturz abspielten, sind sich Experten in einem zentralen Punkt einig. Betty befand sich zweifellos in der Kabine, als diese sich löste und mit enormer Geschwindigkeit in die Tiefe des Aufzugschachts stürzte.

Die Kabine fiel unglaubliche 75 Stockwerke hinab — eine Strecke von mehr als 300 Metern. Dieser erschreckende Sturz hält bis heute den historischen Rekord als der längste dokumentierte Aufzugabsturz, den jemand überlebt hat.

Als die Rettungsteams schließlich die Trümmerstelle erreichten, fanden sie eine vollständig zusammengequetschte Metallmasse vor. Die Helfer mussten mühsam eine Öffnung in den verformten Stahl schneiden, bevor einer von ihnen ins Innere kriechen und die Verletzte erreichen konnte.

Die Diagnose war erschütternd. Die Frau hatte Brüche am Hals, an der Wirbelsäule und am Becken erlitten, beide Beine waren gebrochen, und ihr Körper war mit tiefen Brandwunden übersät. Trotz dieser gravierenden Verletzungen lebte sie noch und wurde sofort in das nächste Krankenhaus gebracht.

Wie hat sie überlebt?

Die Frage, welches Wunder sie gerettet hat, fasziniert bis heute viele Menschen. Technische Gutachten legen nahe, dass die Kabine beim verheerenden Aufprall auf einen speziellen Ölpuffer am Boden des Schachts traf. Erfahrene Ingenieure weisen außerdem darauf hin, dass die unter der fallenden Kabine eingeschlossene Luft sich im engen Schacht enorm komprimiert haben dürfte — ähnlich einem riesigen Luftkissen, das die Wucht des abschließenden Aufpralls teilweise abgefedert haben könnte.

Sicher ist allerdings, dass das Seil der automatischen Notbremse bereits beim ersten Flugzeugeinschlag vollständig zerstört worden war, sodass das Standardsicherheitssystem wirkungslos blieb. In welchem genauen Verhältnis der Ölpuffer und die komprimierte Luft zum Überleben beigetragen haben, lässt sich anhand der erhaltenen Dokumente nicht mehr mit absoluter Sicherheit feststellen.

Der lange Weg zurück ins Leben

Betty verbrachte endlose vier Monate im Krankenhaus. Daran schloss sich eine ausgedehnte Rehabilitation bei ihrer Familie an. Etwa acht Monate nach jenem schicksalhaften Sommermorgen kehrte sie in ihr Heimat-Arkansas zurück.

Ruhm durch ihre unglaubliche Geschichte suchte sie nie. Die Aufmerksamkeit der Presse war ihr unangenehm, und sie führte weiterhin ein ruhiges, zurückgezogenes Leben. Was dabei besonders bemerkenswert ist: Sie entwickelte keinerlei Phobie gegenüber Aufzügen und benutzte sie weiterhin ohne jeden Anflug von Angst.

Betty Lou Oliver lebte nach der Tragödie noch weitere 54 erfüllte Jahre. Gemeinsam mit ihrem Mann gründete sie eine Familie und erreichte das respektable Alter von 74 Jahren. Ende November 1999 starb sie in der Stadt Fort Smith in Arkansas.

Der Wolkenkratzer selbst bewies letztlich eine ähnliche Widerstandsfähigkeit wie seine Mitarbeiterin. Trotz enormer materieller und struktureller Schäden öffnete ein Großteil des Empire State Buildings bereits am darauffolgenden Montag wieder regulär seine Türen.

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  • Katharina Vogel schreibt über Lifestyle, gesunde Gewohnheiten und kreative Ideen für den Alltag. Ihre Inhalte verbinden Inspiration mit praktischen Tipps für ein ausgewogenes Leben.

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