Eine Frage, die niemand stellen möchte
Die meisten Urlauber springen voller Begeisterung ins Wasser – ohne auch nur einen Augenblick daran zu denken, was sie auf ihrer Haut mitbringen. Sonnencremereste, Schweiß, abgestorbene Hautzellen und alltägliche Verunreinigungen – all das wandert still und leise in das Wasser, das man mit Dutzenden anderer Menschen teilt.
In öffentlichen Schwimmbädern in Deutschland und Österreich gilt in der Regel eine Duschpflicht vor dem Eintauchen. An ausländischen Reisezielen hingegen sind die Kontrollen oft kaum vorhanden. Damit bleibt eine grundlegende Frage offen: Wie viele Urlauber gönnen sich überhaupt eine kurze Dusche, bevor sie ins Becken springen?
Kristallklares Wasser kann täuschen
Eine vollkommen transparente, strahlend blaue Wasseroberfläche garantiert keineswegs die Abwesenheit unsichtbarer Verunreinigungen. Hygieneexperten betonen ausdrücklich, dass das Duschen vor dem Schwimmen die wirksamste Methode ist, um die Menge an Schweiß, Körperfett und Kosmetika im Wasser drastisch zu reduzieren.
Idealerweise sollte man mindestens sechzig Sekunden unter fließendem Wasser verbringen. Das ist keineswegs eine bloße Frage des persönlichen Sauberkeitsempfindens.
Sobald organische Substanzen vom menschlichen Körper mit Chlor in Berührung kommen, beginnt sich das chemische Gleichgewicht des Wassers unmittelbar zu verändern.
Aus der Reaktion zwischen Schweiß oder Körpercreme und dem Desinfektionsmittel entstehen sogenannte Chloramine. Genau diese reizenden chemischen Verbindungen verursachen die bekannte Augenrötung oder das lästige Brennen in den Atemwegen, das viele nur zu gut kennen.
Doch es gibt noch etwas Beunruhigenderes: Diese chemische Reaktion verbraucht den freien Chlorgehalt rapide – und dieser fehlt dann genau dort, wo er gebraucht wird: zur Neutralisierung tatsächlich gefährlicher Bakterien.
Hunderte von Menschen in einem einzigen großen Ökosystem
Auf dem Höhepunkt der Sommersaison wechseln sich in den Becken eines einzigen Hotelkomplexes gewaltige Menschenmassen ab. Jeder einzelne Schwimmer trägt mit seinem persönlichen Mix aus Mikroorganismen, Hautrückständen und Kosmetikprodukten zu diesem gemeinsamen Raum bei.
Gesundheitsexperten warnen, dass das Poolwasser unter bestimmten Umständen als wirksamer Übertragungsweg für verschiedene Krankheitserreger dienen kann. Ein anschauliches Beispiel ist der mikroskopisch kleine Parasit Cryptosporidium, der selbst in korrekt behandeltem und stark gechlorten Wasser erstaunlich lange überleben kann.
Das bedeutet natürlich nicht, dass das Schwimmen im Urlaub ein extremes Gesundheitsrisiko darstellt. Sorgfältige Wartung und hochwertige Filtersysteme eliminieren zuverlässig den überwiegenden Großteil der Risiken.
Die einfachste und günstigste Vorbeugemaßnahme liegt jedoch in den Händen der Gäste selbst. Ein kurzer Stopp unter der Dusche vor dem Eintauchen macht einen enormen Unterschied – nicht nur für die eigene Sicherheit, sondern auch für das Wohlbefinden aller, mit denen man sich das Becken teilt.
