Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs: Augenzeugen, die alles miterlebten

Der Morgengrauen des 1. September 1939 in Warschau

Noch bevor die Sonne an jenem 1. September 1939 aufging, wurde Wladyslaw Szpilman durch gewaltige Explosionen aus dem Schlaf gerissen, die ganz Warschau erschütterten. Der berühmte Pianist, dessen erschütterndes Schicksal später im Film Der Pianist verewigt wurde, ahnte in den ersten Augenblicken nicht im Geringsten, dass gerade die nationalsozialistische Invasion Polens begann. Er hielt es für eine weitere routinemäßige Militärübung und wollte seinen gewohnten Morgen fortsetzen. Es war seine Mutter, sichtlich zitternd, die ihn aus dem Irrtum riss: Sie stürmte ins Zimmer und überbrachte die eiskalte Nachricht vom Ausbruch des Krieges.

Auf dem Weg zum Gebäude des Polnischen Nationalradios bemerkte Szpilman sofort, dass die Straßen bereits mit offiziellen Proklamationen gepflastert waren, die den Kriegszustand verkündeten. Um die Anschläge hatten sich Menschentrauben versammelt, und Panik lag spürbar in der Luft. Historische Berichte überliefern unter anderem die Geschichte eines älteren Warschauer Bürgers, der von unkontrollierbarer Wut gepackt lautstark auf offener Straße protestierte — empört darüber, dass sein Heimatland ohne jede Vorwarnung hinterhältig angegriffen wurde.

Die ersten Gefechte: Piloten, Aufklärer und feindliche Kommandeure

Während der junge Musiker den Radiosender erreichte, wo der Sendebetrieb trotz wachsender Gefahr weiterging, schrieben sich anderswo weitere dramatische Geschichten. Die ersten Wochen der Invasion boten grundlegend verschiedene Perspektiven auf die Realität des Krieges — von den Verteidigern der Heimat über Elitepiloten bis hin zu den Offizieren an der Spitze der feindlichen Streitkräfte.

Der deutsche Leutnant Hans von Luck überquerte unterdessen die Grenzzone und rechnete unmittelbar mit hartnäckigem Widerstand. Seine Aufklärungseinheiten stießen jedoch zunächst durch eine überraschend ruhige und nahezu unberührte Landschaft vor. An einem Zollposten hob ein einzelner polnischer Beamter schweigend die Schranke, als die Truppen passierten. Diese trügerische Stille währte allerdings nicht lange. Weiter im polnischen Landesinneren geriet von Lucks Einheit plötzlich unter verheerenden Maschinengewehr- und Mörserbeschuss.

In der Luft kämpfte derweil der polnische Pilot Franciszek Kornicki einen verzweifelten Kampf — mit Technik, die der feindlichen in keiner Weise gewachsen war. Sein Flugzeug vom Typ PZL P.7 erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 330 Stundenkilometern, während die gefürchteten deutschen Messerschmitt Bf 109 nahezu doppelt so schnell waren.

Dennoch gelang es ihm während eines besonders gefährlichen Einsatzes, geschickt zu manövrieren und sich direkt hinter eine deutsche Maschine zu setzen. In diesem kritischen Moment — kopfüber fliegend — rissen die Sicherheitsgurte unvermittelt. Kornicki wurde aus dem Cockpit in die Tiefe geschleudert und entging dem Tod nur knapp, weil sich sein Fallschirm rechtzeitig öffnete.

Die Front rückt auf Warschau zu

Der Vormarsch von General Heinz Guderian verlief blitzschnell, war aber keineswegs frei von Zwischenfällen. Bereits in den allerersten Tagen des Feldzugs musste sein Fahrer wegen eines Kanonenschusses scharf ausweichen, woraufhin das gepanzerte Fahrzeug in einem Graben landete und endgültig ausfiel. Schnell wieder an die Front zurückgekehrt, sah sich der Kommandeur am Fluss Brda mit einem weiteren Problem konfrontiert: Deutsche Einheiten hatten angehalten, anstatt wie befohlen ans gegenüberliegende Ufer vorzustoßen.

Der Grund war eine Brücke, die von polnischen Radfahrtruppen hartnäckig verteidigt wurde. Guderian untersagte den Panzern sofort blindes Feuer und ordnete einen systematischen Vormarsch zu Land an. Nach einem kurzen, aber heftigen Feuergefecht kapitulierten die polnischen Verteidiger, und die deutsche Kriegsmaschinerie setzte ihre Bewegung fort.

Etwas weiter südlich wurde Leutnant von Luck unmittelbarer Zeuge des Blutpreises, den solche Kämpfe forderten. Als seine Aufklärungseinheit unter schweres Kreuzfeuer geriet, hämmerten deutsche Artillerie und Panzerfahrzeuge die polnischen Stellungen die ganze Nacht hindurch. Die Morgendämmerung enthüllte totale Verwüstung: Die Verteidiger waren verschwunden und hatten nur rauchende Gebäude, gefallene Soldaten und getötete Pferde zurückgelassen.

Unterdessen bereitete sich Warschau fieberhaft auf den bevorstehenden Ansturm vor. Szpilman schloss sich ohne Zögern den Tausenden Freiwilligen an, die am Stadtrand Schützengräben aushoben und Panzersperren errichteten, während in unmittelbarer Nähe bereits Artilleriegeschosse einschlugen.

Mit zunehmender Belagerungsintensität wurde die Lage in der Stadt absolut kritisch. Gezielte Angriffe zerstörten Warschaus Wasserversorgungssystem und schnitten den Bewohnern das unentbehrliche Wasser ab, das zum Löschen der verheerenden Brände gebraucht wurde, die sich unkontrolliert durch die zermürbten Stadtteile fraßen.

Ein schwacher Hoffnungsschimmer leuchtete am 3. September auf, als Großbritannien und Frankreich Berlin offiziell den Krieg erklärten. Szpilman schilderte in seinen Erinnerungen, wie diese Nachricht in seinem Zuhause eine überwältigende Welle der Gefühle auslöste. Für einen kurzen Moment schien es, als könnte ausländische Hilfe das Schicksal noch wenden.

Diese Hoffnung zerfiel jedoch rasch, während die Angreifer ihren Würgegriff um die Stadt enger zogen. Der begabte Pianist fuhr fort, das Radiostudio aufzusuchen, auch als Bomben die Stadt zerstörten. Sein letzter Auftritt, bei dem er Werke von Chopin spielte, ging live auf Sendung, während das ohrenbetäubende Donnern der Explosionen immer näherkam. Es war die letzte Live-Musik, die dieser Sender ausstrahlte — bevor das Radio für immer verstummte.

Polen im Würgegriff zweier Armeen

Als am 17. September sowjetische Truppen die Ostgrenze Polens überschritten, vollzog sich der geheime Gebietspakt, der mit Nazideutschland nur wenige Wochen zuvor geschlossen worden war. Für die bereits im Rückzug begriffenen polnischen Einheiten, die ohnehin versuchten, dem deutschen Vormarsch zu entkommen, bedeutete dies die endgültige Katastrophe: Die letzten Fluchtwege aus der Heimat schlossen sich schlagartig.

Zu denjenigen, die sich zu retten versuchten, gehörte auch Pilot Kornicki. Sein ursprünglicher Plan, Rumänien auf dem Luftweg zu erreichen, scheiterte, als ihm ein anderer Flieger im letzten Moment das Flugzeug wegnahm. Ihm blieb nichts anderes übrig, als eine erschöpfende Reise auf dem Landweg anzutreten. Die Straßen in Richtung der südöstlichen Grenze waren völlig verstopft von fliehenden Militärkolonnen, und totales Chaos herrschte ringsum.

In der Nähe der Stadt Zaleszczyki stieß seine Gruppe auf entgegenkommende Fahrzeuge, deren Fahrer in wilder Panik schrien, die Rote Armee befinde sich nur wenige Kilometer entfernt. Die Einheit musste sofort die Route wechseln und sich zum Grenzübergang Kuty durchschlagen, wo erschöpfte Männer eine ganze Nacht in einer endlosen Schlange warteten, bevor sie endlich rumänischen Boden erreichten.

Der rasche deutsche Vormarsch führte unweigerlich zu direkten Begegnungen mit den sowjetischen Streitkräften. In Brest erhielt General Guderian den unerwarteten Befehl, die mit dem Blut seiner Soldaten erkämpften Gebiete den Sowjets zu übergeben. Einige Tage später traf er sich mit General Semjon Kriwoschein, um die genauen Details der Übergabe abzustimmen und die wertvolle Zeit zu gewinnen, die zum Abzug beschädigter Fahrzeuge aus dem Gebiet benötigt wurde.

Das verwüstete Warschau kapitulierte offiziell am 27. September. Als Szpilman, der die gesamte Hölle der Belagerung im Herzen der Metropole durchlebt hatte, zum ersten Mal wieder wagte, auf die Straße zu gehen, bot sich ihm ein apokalyptisches Bild. Die zerstörten Straßen waren von Barrikadenresten versperrt, aus Gebäuden stieg Rauch auf, und ausgehungerte Menschen suchten verzweifelt nach etwas Essbarem. Zwischen den Trümmern lagen noch immer Leichen.

Trotz des Falls der Hauptstadt leisteten polnische Militärverbände in anderen Landesteilen tapfer Widerstand bis zum 6. Oktober. Die große Mehrheit derer, denen die Flucht ins Ausland gelungen war, legte die Waffen keineswegs nieder. Eine beachtliche Zahl von Soldaten erreichte über Rumänien Frankreich und Großbritannien, wo sie weiter für die Freiheit kämpften. Die mutigen polnischen Piloten schlossen sich bald darauf den Helden an, die den Himmel in der berühmten Luftschlacht um England verteidigten.

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  • Katharina Vogel schreibt über Lifestyle, gesunde Gewohnheiten und kreative Ideen für den Alltag. Ihre Inhalte verbinden Inspiration mit praktischen Tipps für ein ausgewogenes Leben.

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