Eine unerwartete Wende in der Kriegsdynamik
Die russische Militärführung soll Präsident Wladimir Putin um weitere 800.000 Rekruten gebeten haben. Nach monatelangem verheerendem Druck ist es den ukrainischen Verteidigern gelungen, den Vormarsch des Angreifers an mehreren entscheidenden Frontabschnitten erfolgreich zu stoppen.
Einer Analyse des Institute for the Study of War (ISW) vom 12. September zufolge haben die ukrainischen Gegenangriffe sämtliche territorialen Nettogewinne Russlands seit März 2026 zunichte gemacht. In Militärkreisen gilt dies als die erste nachhaltige Verschiebung in der Gesamtdynamik des Kampfgeschehens seit der überraschenden ukrainischen Offensive in der Region Kursk im August 2024.
Russlands Strategien liegen in Trümmern
Im Norden, nahe Kupjansk, gelang es ukrainischen Einheiten, verlorene Stellungen direkt in der Stadt zurückzuerobern und wiederholt anrollende Angriffswellen abzuwehren. Die Beseitigung des gefährlichen russischen Vorsprungs bei Lyman trug darüber hinaus maßgeblich dazu bei, die Pläne der Angreifer zu vereiteln, den strategischen Festungsgürtel nahe Donezk einzukesseln.
Das ursprüngliche Vorhaben der russischen Befehlshaber bestand darin, ukrainische Kräfte innerhalb von Donezk durch ein großangelegtes Umgehungsmanöver auf zwei Fronten einzuschließen. Die ukrainischen Soldaten durchkreuzten jedoch diese ehrgeizige Taktik, indem sie genau diesen nördlichen Vorsprung oberhalb von Lyman eliminierten.
Die Experten des ISW betonen, dass Moskau nun gezwungen ist, seine Pläne auf beiden Flanken in dieser viel beobachteten Region von Grund auf neu zu gestalten. Russische Einheiten erzielen bei Kostiantyniwka und östlich von Kramatorsk weiterhin mühsam erkämpfte Teilfortschritte — doch das Halten dieser Positionen ist mit einem enormen Preis verbunden.
Ein Zermürbungskrieg, der beide Seiten belastet
Um überhaupt voranzukommen, müssen die Invasionstruppen gewaltige Mengen an wertvollem Personal und Material opfern. Russische Militärblogger räumen öffentlich ein, dass die eigenen Einheiten schwer zurückgedrängt wurden — bis zum Fluss Scherebez. Einigen Frontberichten zufolge sollen ukrainische Truppen den Fluss bereits erfolgreich überquert und das östliche Ufer erreicht haben.
Um die massiven Verluste auf dem Schlachtfeld auszugleichen, sollen russische Kommandeure eine neue, umfangreiche Mobilmachung fordern. Obwohl der Kreml jegliche Pläne für eine Masseneinberufung beständig dementiert, deuten Geheimdienstinformationen darauf hin, dass dieser entscheidende Schritt unmittelbar nach den kommenden Wahlen zur russischen Staatsduma erfolgen könnte.
Erschöpfender Stillstand: Wohin führt dieser Krieg?
Offen bleibt die Frage, ob ein etwaiger Zustrom neuer Rekruten das Kriegsgeschehen tatsächlich wenden kann. Die ukrainische Armee verfügt derzeit über einen erheblichen taktischen Vorteil — vor allem bei der fortgeschrittenen Integration von Infanterie und dem meisterhaften Einsatz von Drohnen.
Moskaus selbst gesetzte Frist für die vollständige Einnahme des restlichen Gebiets Donezk — und damit des gesamten gebeutelten Donbas — war das Ende des laufenden Jahres. Beim aktuellen Vormarschrhythmus schätzen die Analysten des ISW jedoch, dass russische Kräfte die Kontrolle über den Rest der Region frühestens bis Ende 2032 erlangen könnten.
