Putins Krim-Brücke steht noch – der ukrainische Geheimdienst erklärt, warum

Ein Bauwerk, das jeder Kriegslogik zu trotzen scheint

In modernen Konflikten werden strategische Infrastrukturen normalerweise als Erstes ausgeschaltet. Und dennoch steht Putins vielgerühmte Brücke über die Straße von Kertsch nach wie vor – während andere russische Nachschubwege auf der besetzten Halbinsel einer nach dem anderen wegbrechen.

Die ukrainischen Streitkräfte haben dieses gewaltige Bauwerk bereits mehrfach angegriffen. Warum also haben sie es bislang nicht vollständig zerstört?

Kiew verfolgt dabei sehr handfeste Gründe. Und die Antwort wurzelt in jahrtausendealten Grundsätzen der Kriegsführung.

Ein symbolischer Fluchtweg

Aus rein militärstrategischer Sicht hat dieses monumentale Bauwerk einen Großteil seines ursprünglichen Wertes eingebüßt. Russische Invasionsverbände verlagern schweres Gerät heute hauptsächlich über den gefestigten Landkorridor, der sich durch den Süden der Ukraine erstreckt.

Generalmajor Vadym Skibickyj, stellvertretender Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes, analysierte diese Lage ausführlich auf einer Sicherheitskonferenz in Jalta. Seinen Aussagen zufolge stellt die Brücke für die Russische Föderation keinen so entscheidenden strategischen Knotenpunkt mehr dar wie früher.

Das politische Gewicht des Bauwerks bleibt jedoch enorm. Für den Kremlchef verkörpert die Brücke den Triumph der Krim-Annexion schlechthin.

Der hochrangige Geheimdienstvertreter fügte allerdings ein ausgesprochen pragmatisches Argument hinzu, das erklärt, warum die Brücke noch steht: Sie dient als idealer Fluchtweg für den Abzug russischer Besatzer in die Heimat.

Eine Taktik aus einem uralten Lehrwerk

Der militärische Klassiker Die Kunst des Krieges von Meister Sun Tzu lehrt unmissverständlich, dass man einem eingeschlossenen Feind stets einen freien Rückzugsweg lassen soll.

Das Ziel ist keineswegs, ihm eine ungestörte Flucht zu ermöglichen. Es handelt sich vielmehr um einen meisterhaften psychologischen Schachzug, der den Kampfwillen feindlicher Soldaten nach und nach aushöhlt.

Werden alle Fluchtwege abgeschnitten, bleibt einem Heer keine andere Wahl, als bis zum Letzten zu kämpfen. Sobald Soldaten jedoch eine reale Möglichkeit der Rettung erblicken, schwindet ihre Bereitschaft, in der Schlacht zu sterben, rasch.

Das historische Werk empfiehlt zudem, genau in dem Moment mit voller Kraft zuzuschlagen, wenn sich das feindliche Heer über diesen scheinbar sicheren Weg zurückzieht. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass der ukrainische Kommandeur in seiner Erläuterung zur Brückentaktik nicht ausdrücklich auf diese antike Lehre Bezug genommen hat.

Angriffe auf das feindliche Logistiknetz

Unterdessen hat Kiew seine übergreifende Strategie neu ausgerichtet und konzentriert sich auf die Zerschlagung des komplexen Versorgungssystems, das Moskaus Kriegsmaschinerie am Laufen hält. Diese ausgeklügelten Operationen reichen heute tief in russisches Territorium hinein.

Die ukrainischen Geheimdienste überwachen unablässig Rüstungsbetriebe, die direkt die Front beliefern. Die immer schneller anlaufende russische Raketenproduktion stellt eine ernste Bedrohung dar, die nicht ignoriert werden kann.

Die Operativen haben sich deshalb der lückenlosen Erfassung jedes einzelnen Glieds in der Lieferkette gewidmet. Dem Generalmajor zufolge verfügt der Geheimdienst heute über ein vollständiges Bild aller Unternehmen und Produktionsstätten auf russischem Boden, die in irgendeiner Weise an der Herstellung ballistischer Raketen beteiligt sind.

Überraschende zivile Angriffsziele

Neben rein militärischen Einrichtungen richtet sich die ukrainische Aufmerksamkeit auch auf zivile Plattformen, die die Armeelogistik im Verborgenen unterstützen. Ins Visier der Militärplaner geraten dabei unerwartet russische E-Commerce-Giganten wie die Unternehmen Ozon und Wildberries.

Militärexperten verteidigen diesen gezielten Fokus auf große kommerzielle Verteilernetzwerke offen. Diese riesigen Distributionszentren sind eng mit dem offiziellen Versorgungssystem der russischen Streitkräfte verflochten.

Durch die Kombination aus konstantem Druck auf diese scheinbar zivilen Versorgungsknoten und klassischen militärischen Zielen versucht die Ukraine, die Arterien, die die Invasionsverbände am Leben erhalten, vollständig lahmzulegen.

Author

  • Katharina Vogel schreibt über Lifestyle, gesunde Gewohnheiten und kreative Ideen für den Alltag. Ihre Inhalte verbinden Inspiration mit praktischen Tipps für ein ausgewogenes Leben.

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